Wie der Spiegel seinen Lesern die Korruption in der Ukraine verschweigt

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Die Spiegel-Titelstory dieser Wiche trägt den im Internet den Titel „KI, Drohnen, neue Soldaten – Ist das di...

anti-spiegel.ru📅 01.06.2026
Spiegel-Titelstory

Wie der Spiegel seinen Lesern die Korruption in der Ukraine verschweigt

Die Spiegel-Titelstory dieser Woche glänzt dadurch, wie der Spiegel seinen Lesern darin die Korruption in der Ukraine verschweigt und stattdessen ein Heldenepos über eine der korruptesten Firmen des Landes fabriziert.

Die Spiegel-Titelstory dieser Wiche trägt den im Internet den Titel „KI, Drohnen, neue Soldaten – Ist das die Kriegswende in der Ukraine?“, während auf dem aktuellen Spiegelcover in Großbuchstaben schlicht „Kriegswende?“ zu lesen ist. Im Grunde ist diese Titelstory klassische Kriegspropaganda, die auf Durchhalteparolen setzt, wie man sie immer dann liest, wenn die Lage für eine Kriegspartei wirklich schlecht ist, den Menschen aber Mut gemacht und der Glaube an den „Endsieg“ vermittelt werden soll. In diesem Fall soll den Deutschen also erklärt werden, dass sie die wirtschaftlichen Entbehrungen, die sie für die Unterstützung der Ukraine ertragen sollen, nur noch ein wenig länger aushalten müssten, denn nun wende sich das Kriegsglück endlich zugunsten der Ukraine und der EU.

Der Spiegel-Redakteur, der die Ehre hatte, diese Woche die Spiegel-Titelstory schreiben zu dürfen, ist Christian Esch, der Stammlesern des Anti-Spiegel wohlbekannt ist. Früher war er Büroleiter des Spiegel in Moskau und für seinen irregeleiteten moralischen Kompass hinlänglich bekannt, weil er einerseits radiale russische Rassisten verteidigt und andererseits die Rassegesetze in der Ukraine als „Gesetz zum Schutz von Minderheiten“ bezeichnet hat – eine Idee, auf die nicht einmal die Nazis gekommen wären. Aber Herr Esch ist sehr kreativ.

Das gilt auch für die Deckung von Selenskys Korruption, wie ein Artikel des Herrn Esch vom November 2025 zeigt, in dem Esch mit allen Mitteln versucht hat, Selenskys Rolle im Minditsch-Skandal zu verschleiern. Dass Esch die Korruption von Selensky und seinem Umfeld deckt und dem deutschen Publikum verschweigt, ist also nicht neu. Die aktuelle Spiegel-Titelstory ist ein weiteres Beispiel dafür, wie wir nun sehen werden.

Fire Point

Etwa in der Mitte des Spiegel-Artikels berichtet Esch über die ukrainischen Drohnen FP-1 und FP-2, die er als Gamechanger darstellt. Über den Hersteller schreibt Esch:

„FP steht für »Fire Point«, das Rüstungs-Start-up ist in vier Jahren Krieg auf 6000 Mitarbeiter angewachsen, produziert wird an mehr als 70 Orten in der Ukraine. Die FP-1 ist das Erfolgsmodell, das Fire Point groß gemacht hat, sie kann einen Sprengkopf von 60 bis 120 Kilogramm tragen, die maximale Reichweite beträgt 1600 Kilometer. Beim Start hilft eine Feststoffrakete nach.“

Fire Point als „Rüstungs-Start-up“ zu bezeichnen, ist eine sehr kreative Formulierung, denn die Firma ist kein Start-up, sondern sie ist aus einer lange existierenden Castingagentur hervorgegangen, die früher Darsteller und Statisten für Projekte des ukrainischen Komikers und Schauspielers Wladimir Selensky ausgesucht hat. Einer der Besitzer von Fire Point ist übrigens ausgerechnet Timur Minditsch, ein alter Freund von Selensky und die Hauptperson bei Minditsch-Gate, dem aktuellen Korruptionsskandal in der Ukraine.

Und wie durch ein Wunder ist aus der Castingagentur nach 2022 die Firma geworden, die vom ukrainischen Staat die meisten Aufträge für Drohnen erhält, was natürlich Gelder sind, die die EU an Kiew überweist. Außerdem rühmt sich Fire Point damit, der Entwickler der Rakete Flamingo zu sein, die in Wahrheit die kaum veränderte Kopie (also de facto Lizenzfertigung) einer von der britischen Milanion Group entwickelten Rakete ist. Das kann man auf der Seite von Milanion auch sehen, wobei die Flamingo dort als gemeinsame Entwicklung mit der Ukraine bezeichnet wird, obwohl Milanion seine Rakete für die Ukraine bestenfalls ein wenig modifiziert hat.

Aber aus dem ukrainischen Haushalt, der nur dank der westlichen Finanzspritzen existiert, wurden hohe Summen für die angebliche Entwicklung der Flamingo abgezweigt, die die Ukraine gar nicht entwickelt hat, sondern bestenfalls eine britische Entwicklung etwas modifiziert hat, um sie “ukrainische Rakete” zu bezeichnen. Das wissen natürlich auch alle Experten im Westen, aber auch hier fragt kein westlicher Journalist, wohin die Gelder für die Entwicklung der Flamingo wirklich gegangen sind. Und auch Esch stellt diese Frage in seiner Heldensaga über Fire Point nicht.

Übrigens hat es in der Ukraine Tradition, dass sich Firmen, denen Korruption vorgeworfen wird, schnell prominente Westler in die Führungsmannschaft holen, um sich vor schlechter Presse oder gar Schlimmerem zu schützen. Fire Point ist das keine Ausnahme, denn am 15. November 2025, wenige Tage nach Bekanntwerden von Minditsch-Gate hat Fire Point den ehemaligen CISA-Chef und US-Außenminister Mike Pompeo in den Aufsichtsrat geholt.

Das alles verschweigt Esch den Spiegel-Lesern in seiner ausführlichen Heldensaga über Fire Point jedoch.

Kommen wir also zu dem, was Esch den Spiegel-Lesern berichtet.

Der Spiegel feiert Terror gegen Zivilisten

Esch schreibt weiter:

„Die FP-2 kann nicht so weit fliegen, aber sie erreicht die annektierte Krim und Gebiete näher an der Front. Solche »middle strikes« gelten als besonderer Erfolg der vergangenen Monate und sind eine erklärte Priorität von Verteidigungsminister Fedorow. Ziel ist es, die Logistik der Russen lahmzulegen. Die Landbrücke zur Krim etwa, die Russland 2022 erobert hat, ist derzeit kaum mehr zu benutzen. Die Fernstraße entlang des Asowschen Meers musste wegen ukrainischer Angriffe für zivile Transporte gesperrt werden.“

Das ist eine sehr geschönte Beschreibung dessen, was tatsächlich passiert. Dass die Ukraine gezielt Zivilisten angreift, kann man bei Esch immerhin verschlüsselt lesen, wenn er schreibt, dass wichtige Straßen „wegen ukrainischer Angriffe für zivile Transporte gesperrt werden“ mussten.

Tatsächlich terrorisiert Kiew den Donbass, das (unbestritten russische) Gebiet Rostov und die Krim mit Drohnen. Fast täglich sterben dort Zivilisten, deren Autos auf ganz normalen Straßen von ukrainischen Drohnen angegriffen werden. Die Krimbrücke muss wegen Drohnenalarm inzwischen fast täglich für Stunden für den Verkehr gesperrt werden.

Und nochmal, um Missverständnisse zu vermeiden: Angegriffen werden nicht etwa militärische Transporte, sondern zivile Fahrzeuge, oft PKW, in denen ganz normale Familien unterwegs sind. In den letzten Tagen sind dabei auch wieder Kinder ums Leben gekommen.

Aber über diese Details berichtet Esch nicht, denn das würde der Heldensaga über Fire Point wohl sogar in den Augen von Spiegel-Lesern einen üblen Beigeschmack verpassen.

Wie der Spiegel Korruption verschweigt

Etwas später in dem Artikel schreibt Esch:

„Viele Experten wundern sich über die Nähe der Regierung zu Fire Point. In wenigen Jahren Krieg ist Fire Point durch staatliche Rüstungsaufträge zu einem Giganten geworden. 2026 soll der Umsatz laut Schtilerman auf vier Milliarden Dollar wachsen – nicht schlecht für eine Firma, die 2022 bloß 18 Mitarbeiter hatte und deren Ursprünge eigentlich in der Filmbranche liegen, aus der auch Präsident Wolodymyr Selenskyj stammt. Das Antikorruptionsbüro Nabu ermittelt wegen der Auftragsvergabe an Rüstungsfirmen wie Fire Point. Schtilerman bestreitet alle Vorwürfe.“

Esch schreibt, dass Fire Points „Ursprünge eigentlich in der Filmbranche liegen, aus der auch Präsident Wolodymyr Selenskyj stammt“, was eine mehr als verharmlosende Umschreibung der Realität ist, die Esch natürlich bekannt ist. Fire Point stammt nicht nur aus der Filmbranche, Fire Point war quasi Selenskys persönliche Castingagentur, die einem Freund von Selensky gehörte, der heute im Zentrum des aktuell größten Korruptionsfalls der Ukraine steht. Aber mit solchen Kleinigkeiten will Esch die Leserschaft des Spiegel nicht behelligen.

Und auch die nächste Formulierung, das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) ermittle „wegen der Auftragsvergabe an Rüstungsfirmen wie Fire Point“ ist eine mehr als nur verharmlosende Beschreibung der Tatsachen, denn tatsächlich ermittelt das NABU nicht nebulös gegen „Rüstungsfirmen wie Fire Point“, sondern im Zuge des Minditsch-Skandals ermittelt das NABU explizit gegen Fire Point.

Bei der Gelegenheit könnte Esch auch noch erwähnen, dass die Schlüsselfigur bei der Korruption im Rüstungssektor der Ukraine der vom Spiegel einst als „Korruptionsbekämpfer“ gelobte Umerow ist, der eine Zeitlang ukrainischer Verteidigungsminister war und trotz des Minditsch-Skandals, bei dem das engste Umfeld von Selensky – übrigens mit Wissen des Westens – 100 Millionen geklaut hat, die die EU einem ukrainischen Staatskonzern zur Reparatur der Energieinfrastruktur überwiesen hat, heute Chef des Nationalen Sicherheitsrat der Ukraine ist. Übrigens hat Umerow nicht nur die amerikanische Staatsangehörigkeit, sondern besitzt auch viele Luxusimmobilien in Florida und New York.

Aber Spiegel-Leser müssen ja nicht alles wissen, denkt sich Herr Esch anscheinend, und verschweigt auch diese “Kleinigkeiten”.

Im darauf folgenden Absatz schreibt Esch noch etwas, das wohl zeigen soll, wie kritisch der Spiegel ist, aber entscheiden Sie selbst, wie umfassend Sie sich vom Spiegel gut über Fire Point informiert fühlen. Esch schreibt:

„»Ich als jemand, der sich seit 15 Jahren mit dem Rüstungssektor beschäftigt, finde diese Firma seltsam«, sagt der Militäranalytiker Taras Tschmut, der vom neuen Verteidigungsminister in den Aufsichtsrat der Rüstungsbeschaffungsagentur geholt wurde. »Ich sehe viele Unternehmen, die es schon vor Fire Point gab, und die leider nicht so viel staatliche Gelder erhalten.« Schtilerman sieht eine Kampagne gegen sich am Werk, gerade jetzt, wo er so viele Pläne habe.“

Ist das eine treffende Beschreibung der fragwürdigen Umstände rund um Fire Point? Entscheiden Sie, selbst, ob Sie sich hier vom Spiegel umfassend über die in der Ukraine – und speziell rund um Fire Point – existierende Korruption informiert fühlen.

Aber wenn Christian Esch Artikel schreibt, kann man nichts anderes erwarten, wie ich eingangs ja schon erwähnt habe.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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