Ende des deutschen Wirtschaftswunders – „Kranker Mann Europas“

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Wolfgang Münchau erklärt, was aus seiner Sicht Deutschlands Niedergang besiegelt hat

paz.de📅 30.05.2026

Das deutsche Wirtschaftswunder ist Geschichte und die Bundesrepublik zum „kranken Mann“ Europas mutiert. Dies ruft allerlei echte oder vermeintliche Experten auf den Plan, die Ursachenforschung betreiben und die Verantwortlichen für die Misere benennen wollen. Zu Ersteren zählt der Wirtschaftsjournalist Wolfgang Münchau, Mitbegründer und Direktor der Analyseplattform Eurointelligence sowie ehemaliger Chefredakteur der „Financial Times Deutschland“. Er hat das Buch „Kaputt“ vorgelegt, in dem er den Niedergang der Wirtschaft beschreibt und weiter in die Vergangenheit zurückblickt als viele andere Autoren, die die Schuld lediglich bei den Regierungen der letzten 20 Jahre suchen.

Für Münchau liegt die „Erbsünde“ in der schon sehr frühzeitig einsetzenden Verweigerung der Unternehmen und Politiker gegenüber den modernen Technologien und dem krampfhaften Festhalten an traditionellen Produkten und Produktionsweisen. Also bringt er etliche Beispiele zur Illustrierung der Kurzsichtigkeit einer solchen Haltung, durch die Deutschland vom einstmals innovativsten Land der Welt zum Nachzügler-Staat verkam.

Von Übel ist laut dem Autor auch das deutsche Bankensystem mit seiner Dominanz eines überentwickelten Staatsbankensektors, der immer wieder auf die völlig falschen Pferde setzte, wenn es um Wirtschaftsförderung ging. Dann wären da noch die unendlich vielen bürokratischen Hürden, denen schon viele Chancen auf ökonomischen Fortschritt zum Opfer fielen.

Des Weiteren geißelt Münchau die deutsche Blindheit gegenüber dem „Chinasyndrom“: Es wurde viel zu lange übersehen, dass sich das Reich der Mitte von der verlängerten Werkbank deutscher Firmen und bloßem Nachahmer westlicher Produkte zum leistungsfähigen Systemrivalen aufschwang und die deutsche Wirtschaft in ihren Kernbereichen Maschinen- und Automobilbau herauszufordern begann.

Allerdings gibt es an der Analyse von Münchau, der schon früh für rot-rot-grüne Koalitionen plädiert hatte, manches zu kritisieren: Das betrifft u.a. das unkritische Loblied auf Zuwanderung, Elektromobilität und „grüne Technologien“, die eben gerade keine Zukunftstechnologien sind, sondern unsere Zukunft gefährden, weil sie zu Absatzproblemen, Rohstoffmangel und dem kaskadenartigen Wegbrechen der Energiesicherheit führen. Außerdem ist das beklagte Bürokratiemonster inzwischen meist ein Ergebnis der Regelungswut der EU und nicht der angeblichen deutschen Erbsenzählermentalität.

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