Während weltweit die Investitionen im Ölsektor sinken, steigen sie in den Bereichen erneuerbare Energien und Atomkraft. Dies geht aus dem gestern veröffentlichten Welt-Energieinvestitionsbericht der Internationalen Energie-Agentur (IEA) hervor.
»Wir befinden uns mitten in der größten Energieversorgungskrise, mit der die Welt je konfrontiert war – und ich glaube, dass dies die Investitionsstrategien weltweit neu gestalten wird, ähnlich wie die großen Veränderungen, die die Energiewelt nach den Ölkrisen der 1970er Jahre erlebt hat«, sagte IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol bei der Vorstellung des Berichts. »Wir beobachten bereits verstärkte Bemühungen sowohl seitens der Erzeuger- als auch der Verbraucherländer, Handelswege und Energiequellen zu diversifizieren – einerseits durch den Ausbau neuer Pipelines und anderer Versorgungsinfrastruktur und andererseits durch eine stärkere Ausrichtung auf im Inland verfügbare Ressourcen.«
Die IEA prognostiziert, dass die weltweiten Energieinvestitionen im Jahr 2026 bei 3,4 Billionen US-Dollar liegen werden, was einem leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr entspricht. Rund 2,2 Billionen US-Dollar sollen 2026 in Netze, Speicherkapazitäten, emissionsarme Brennstoffe, Kernenergie, erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Elektrifizierung fließen; rund 1,2 Billionen US-Dollar sollen in Öl, Erdgas und Kohle investiert werden. Trotz höherer Ölpreise werden die Investitionen in Öl im Jahr 2026 voraussichtlich das dritte Jahr in Folge zurückgehen und unter 500 Milliarden US-Dollar fallen. Gleichzeitig sollen die Investitionen in Erdgas auf 330 Milliarden US-Dollar steigen – der höchste Stand seit zehn Jahren –, gestützt durch eine Welle neuer LNG-Exportprojekte, insbesondere in den Vereinigten Staaten und Katar. Die Investitionen in Kohle sollen im Jahr 2026 auf 180 Milliarden US-Dollar steigen, was den höchsten Stand seit 2012 bedeuten würde. Dabei entfallen fast 70 Prozent der weltweiten Ausgaben auf China.
Laut IEA werden die Investitionen in Projekte im Bereich erneuerbare Energien im Jahr 2026 voraussichtlich rund 665 Milliarden US-Dollar betragen, wovon allein 365 Milliarden US-Dollar in die Solarenergie fließen werden. Obwohl sich das jährliche Investitionswachstum bei erneuerbaren Energien nach mehreren Jahren rascher Expansion abgeschwächt hat, machen emissionsarme Quellen weltweit immer noch mehr als 70 Prozent der gesamten Investitionen in die Stromerzeugung aus, wie aus dem Bericht hervorgeht.
Bei der Kernkraft sieht die IEA eine Renaissance auf niedrigem Niveau: In 15 Ländern seien neue Kernkraftwerkskapazitäten von fast 80 Gigawatt in Bau. Nach Einschätzung der IEA werden dieses Jahr rund 80 Milliarden US-Dollar in den Neubau, die Wartung und die Modernisierung von Atomkraftwerken investiert.
Die Investitionszahlen geben jedoch nicht das ganze Bild wieder, wie die IEA hinzufügt. Insbesondere bei Technologien wie Solarenergie und Batteriespeichern, bei denen die Kosten rasch gesunken
sind und weiter sinken, würden die Investitionszahlen allein zu einem verzerrten Bild führen. So wurden mit einem Investment in Solartechnik von 170 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 55 Gigawatt an Solarleistung gebaut, während es 2025 mit einem Investment von 400 Milliarden US-Dollar mehr als das Zehnfache, nämlich 580 Gigawatt, waren.
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