EU und NATO geben Russland die Schuld an ukrainischen Drohnenangriffen durch NATO-Luftraum

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Ende März begannen auch westliche Medien zu berichten, was man auf dem Anti-Spiegel schon seit letztem Sommer erfahren k...

anti-spiegel.ru📅 27.05.2026
Kriegsbeteiligung und Eskalationsgefahr

EU und NATO geben Russland die Schuld an ukrainischen Drohnenangriffen durch NATO-Luftraum

Seit Ende März bestreitet der Westen nicht mehr, dass ukrainische Drohnen für Angriffe auf Russland den Luftraum von NATO-Staaten nutzen. Nach Wochen ohne Protest dagegen, begannen die baltischen Staaten Anfang Mai in Kiew dagegen zu protestieren, während NATO und EU Russland die Schuld dafür geben.

Ende März begannen auch westliche Medien zu berichten, was man auf dem Anti-Spiegel schon seit letztem Sommer erfahren konnte, nämlich, dass ukrainische Drohnen für Angriffe auf den Nordwesten Russlands den Luftraum der baltischen Staaten nutzen. Im Sommer wurde die russische Raffinerie in Ust-Luga nahe der estnischen Grenze mit Drohnen angegriffen und beschädigt. Und just in der Nacht wurden aus dem Baltikum Drohnensichtungen gemeldet, die exakt entlang des Kurses lagen, den Drohnen aus der Ukraine dabei nehmen müssten. Eine der Drohnen ist dabei in Estland abgestürzt.

Die ukrainischen Drohnen nutzen dabei nicht nur den Luftraum der Baltenstaaten, sondern auch den finnischen Luftraum. Und um die Baltenstaaten und Finnland überhaupt erreichen zu können, müssen sie auch den polnischen Luftraum durchfliegen. Das passiert schon sehr lange (nach meinen Informationen schon seit mindestens Sommer 2024), was bedeutet, dass diese Staaten de facto Kriegsparteien im Krieg gegen Russland sind, wenn sie ihren Luftraum für Angriffe auf Russland zur Verfügung stellen.

Russland hat diese Provokation, wie so viele andere auch, nicht an die große Glocke gehängt, weshalb außer Insidern niemand davon wusste. Das änderte sich Anfang März, als westliche Medien und Politiker das selbst offen zugegeben haben.

Zwar haben die Baltenstaaten und Finnland daraufhin halbherzig erklärt, sie hätten der Ukraine nicht erlaubt, ihre Lufträume für Angriffe auf Russland zu nutzen, aber sie haben die ukrainischen Drohnen weiterhin fast sechs Wochen lang vollkommen unbehelligt über ihre Länder nach Russland fliegen lassen.

Das änderte sich Anfang Mai. Über die Gründe dafür kann man spekulieren, dazu kommen wir am Ende dieses Artikels. Zunächst will zum Verständnis die Entwicklungen seit Anfang Mai zusammenfassen.

4 Mai

Der estnische Ministerpräsident Kristen Michal sagte in einem Interview, die EU- und NATO-Staaten hätten Schwierigkeiten, tieffliegende Drohnen in den an Russland und die Ukraine grenzenden Gebieten abzufangen, da deren Ortung und Zerstörung durch ihre geringe Flughöhe und die spezifischen Flugbahnen erschwert werde. Weiter sagte er, Estland ergreife Maßnahmen zur Stärkung seiner Verteidigungsfähigkeit, darunter die Anschaffung neuer Radarsysteme, und verfüge bereits über Luftverteidigungskapazitäten.

Aus Finnland gab es eine ähnliche Erklärung, nachdem in den Wochen zuvor immer wieder ukrainische Drohnen im finnischen Luftraum gemeldet wurden. Die Regierung betonte, die Lage sei unter Kontrolle und rief die Bevölkerung, die wegen der Drohnen, von denen einige in Finnland abgestürzt waren, immer unruhiger wurde, zur weiteren Unterstützung der Ukraine auf.

Nachdem am 3. Mai wieder zwei Drohnen in den finnischen Luftraum eingedrungen waren, sprach der finnische Ministerpräsident das Thema während eines Treffens mit Selensky an und betonte, dass Luftraumverletzungen, selbst zu Verteidigungszwecken, inakzeptabel seien. Das finnische Militär halte es wegen der Nähe zur russischen Grenze für unmöglich, die in den finnischen Luftraum eingedrungenen Drohnen abzuschießen.

5 Mai

Die finnische Regierung verurteile das Eindringen ukrainischer Drohnen in den finnischen Luftraum und bezeichnete die Vorfälle als inakzeptabel, so der finnische Verteidigungsminister. Die Ukraine müsse „ihre Operationen so planen, dass das Risiko eines versehentlichen Eindringens von Drohnen in finnisches Territorium minimiert wird“, sagte er weiter.

7 Mai

Um 3:20 Uhr Moskauer Zeit hat das russische Radar sechs Drohnen über Lettland geortet, die auf Russlands nordwestliche Region, also den Großraum St. Petersburg, ansteuerten. Etwa gleichzeitig wurden, ebenfalls über Lettland, je zwei Jagdflugzeuge der Typen Raphale und F-16 geortet. Laut dem russischen Verteidigungsministerium verschwanden dann in der Gegend der Stadt Rēzekne im Osten Lettlands fünf der sechs Drohnen vom Radar. Anscheinend wurden sie abgeschossen. Die sechste Drohne drang um 4:41 Uhr in Russlands Luftraum ein und wurde nahe der Stadt Pskow von der russischen Flugabwehr abgeschossen.

8 Mai

Nachdem Vorfall teilte der lettische Verteidigungsminister Andris Spruds mit, dass vorläufige Daten darauf hindeuten, dass die Drohnen „aus der Ukraine in Richtung Russland“ gelenkt wurden. Spruds erklärte sich bereit, die Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten, nachdem die ukrainischen Drohnen im lettischen Luftraum nicht abgeschossen wurden.

10 Mai

Der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur forderte die ukrainische Regierung auf, keine Drohnenflüge durch den estnischen Luftraums durchzuführen. Laut dem staatlichen estnischen Radio plante die Ukraine, ein Expertenteam in die baltischen Staaten zu entsenden, um die Luftsicherheit verbessern, was der estnische Minister mit den Worten kommentierte, für die Ukraine es „der einfachste Weg, ihre Drohnen von unserem Territorium fernzuhalten“.

11 Mai

Der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas gab nach einem Treffen mit Kirill Budanow, dem Leiter von Selenskys Büro, bekannt, Litauen beabsichtige, ukrainische Experten zur Bekämpfung von Drohnen hinzuzuziehen. Laut dem Minister bedauerte Budanow die Abstürze ukrainischer Drohnen in den baltischen Staaten. Das Problem sei, „dass bestimmte Einwirkungen die Drohnen vom Kurs abbringen und sie überall abstürzen können“, sagte Kaunas und fügte hinzu, dass Verhandlungen über ein Verfahren zur Entschädigung für Schäden durch abgeschossene Drohnen im Gange seien.

Die Ironie, dass ukrainische Experten Litauen bei der Abwehr ukrainischer Drohnen helfen sollen, und dass die Ukraine, die ausschließlich von Finanzspritzen aus der EU am Leben gehalten wird, de facto mit europäischem Geld Entschädigungszahlungen leisten soll, haben die westlichen Medien, die darüber berichtet haben, nicht bemerkt.

Der Rücktritt des lettischen Verteidigungsministers löste in Lettland eine Regierungskrise aus, denn die Ministerpräsidentin wollte ihn durch einen Offizier ersetzen, womit die Partei des Verteidigungsministers einen Ministerposten verloren hätte. Daraufhin verließ die Partei die Regierung und die Ministerpräsidentin musste ihren Rücktritt erklären.

15 Mai

Finnische Medien berichteten, dass sich über der Region Uusimaa eine Drohne befand, weshalb der gesamte Flugverkehr am Flughafen Helsinki vorübergehend eingestellt wurde. Da auch die finnische Bevölkerung wegen der ukrainischen Drohnen immer nervöser wurde, erklärte der finnische Präsident Stubb explizit, es bestehe keine direkte Gefahr eines Krieges.

18 Mai

Das litauische Nationale Krisenmanagementzentrum meldete den Absturz einer ukrainischen Kampfdrohne. Die Drohne stürzte in der Nähe des Dorfes Samane im Bezirk Utena im Osten des Landes auf ein Feld. Anwohner hatten den Absturz den Behörden gemeldet, woraufhin Sprengstoffexperten den Absturzort sicherten, weil der Sprengkopf der Drohne nicht explodiert war.

19 Mai

Der estnische Verteidigungsminister teilte mit, die estnische Luftverteidigung habe erstmals selbst eine ukrainische Drohne abgeschossen. Die Drohne sei über dem Võrtsjärv-See im Süden des Landes abgeschossen worden. Zuvor wurde in den Kreisen Tartu, Jõgeva, Viljandi, Valga, Võru und Põlva im Süden, Osten und Südosten Estlands Luftalarm ausgerufen.

In Lettland wurde eine Warnung vor dem möglichen Auftauchen „eines unidentifizierten Flugobjekts“ im östlichen Luftraum des Landes herausgegeben. Zuvor wurde in mehreren Regionen des Landes Luftalarm ausgelöst. Auch der Personenzugverkehr in Ostlettland wurde Berichten zufolge aufgrund einer möglichen Luftbedrohung eingestellt.

Laut dem estnischen Verteidigungsminister wurde eine Drohne, die aus der Ukraine in den estnischen Luftraum eingedrungen war, im Rahmen der NATO-Mission Baltic Air Policing von einem rumänischen Kampfflugzeug abgeschossen. Der Minister fügte hinzu, Estland habe der Ukraine nicht gestattet, den estnischen Luftraum zu benutzen.

Das ukrainische Außenministerium entschuldigte sich für die Drohnenvorfälle und sprach von „nicht absichtlichen Vorfällen“.

Der russische Auslandsgeheimdienst SWR veröffentlichte eine Erklärung, in der er mitteilte, dass Kiew Angriffe gegen Russland von Lettland aus vorbereite. Demnach beabsichtige Kiew nicht, „sich auf die Verwendung der Luftkorridore zu beschränken, die den ukrainischen Streitkräften von den baltischen Staaten zur Verfügung gestellt worden sind, sondern es ist geplant, Drohnen auch aus diesen Länder zu starten“. Die Drohnenpiloten der ukrainischen Streitkräfte seien schon nach Lettland verlegt worden, wo sie sie auf den lettischen Militärstützpunkten „Adazi“, „Selija“, „Lielvarde“, „Daugavpils“ und „Jekabpils“ stationiert werden sollen. Und der Geheimdienst warnte:

„Es sei hier daran erinnert, dass die Koordinaten der Entscheidungszentren auf dem lettischen Territorium gut bekannt sind. Und die Mitgliedschaft dieses Landes in der NATO wird die Unterstützer der Terroristen vor gerechter Vergeltung nicht schützen.“

Laut dem SWR begründete die Ukraine den Schritt damit, dass „der genaue Startort der Drohnen nicht feststellbar sei“. Die lettische Regierung hätte der Operation schließlich trotz der Befürchtung zugestimmt, „Opfer eines Vergeltungsschlags Moskaus zu werden“, so der SWR.

20 Mai

Nach dem Vorfall mit der ukrainischen Drohne in Estland rief der polnische Verteidigungsminister Kiew zur Vorsicht auf. Die Ukraine müsse „bei der Identifizierung von Zielen deutlich präziser vorgehen, um die Sicherheit der NATO-Staaten nicht zu gefährden“.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte schob die Verantwortung für den Vorfall über Estland Russland zu. Es sei zwar eine ukrainische Drohne gewesen, „aber sie wäre ohne die russische Aggression nicht dort gewesen“, sagte Rutte auf einer Pressekonferenz vor dem Treffen der NATO-Außenminister in Schweden und behauptete, Russland sei „die größte und unmittelbarste Bedrohung für die NATO“.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete die Erklärung des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, wonach Kiew Drohnenangriffe gegen Russland von Lettland aus vorbereite, als „völlig inakzeptabel“ und als „Bedrohung für die gesamte EU“. „Russlands öffentliche Drohungen gegen unsere baltischen Staaten sind absolut inakzeptabel“, schrieb sie und fügte hinzu, es gebe „keinen Zweifel“ daran, dass „eine Bedrohung eines EU-Landes eine Bedrohung für die gesamte EU darstellt“.

Von der Leyen beschuldigte Russland und Weißrussland zudem, die „direkte Verantwortung“ für die Drohnen zu tragen, die „Leben und Gesundheit von EU-Bürgern an der Ostflanke bedrohen“. Sie versprach, die EU werde „mit Einigkeit und Stärke“ reagieren, indem sie ihre „Verteidigung und Sicherheit an der Ostflanke der EU“ verstärke. In ihrer Erklärung erwähnte von der Leyen mit keinem Wort, dass es um ukrainische Drohnen geht, und auch die Ukraine erwähnte sie nicht.

Die EU-Kommission wolle wegen der Vorfälle mit ukrainischen Drohnen im Baltikum den Druck auf Russland erhöhen, erklärte Kommissionssprecherin Anita Hipper auf einer Pressekonferenz in Brüssel. Die EU unterstütze „Estland, Lettland, Litauen und Finnland uneingeschränkt“ und „Russlands Drohungen“ gegen diese Länder seien „inakzeptabel“, sagte sie. Ohne „den von Russland begonnenen Krieg wären keine Drohnen im Baltikum abgestürzt“. Daher wolle die EU „den Druck auf Russland weiter erhöhen.“ Sie fügte hinzu, die Kommission stehe in dieser Angelegenheit mit der Ukraine und den baltischen Staaten in Kontakt.

Kremlsprecher Dmitri Peskow ging noch weiter als der SWR, denn er erklärte gegenüber der Iswestija, einige der von den ukrainischen Streitkräften für Angriffe auf Russland eingesetzten Drohnen seien bereits aus den baltischen Staaten gestartet worden. Er merkte an, dass russische Geheimdienste die Lage genau beobachteten und Moskaus notwendige Reaktion vorbereiteten. In einem Gespräch mit TASS erwähnte er auch die Aussage von Selensky, Kiew habe einen Plan für Attacken auf Russland im Juni vorbereitet.

Die lettische Außenministerin Baiba Braže behauptete bei ihrer Ankunft beim NATO-Außenministertreffen in Schweden erneut, die lettische Regierung habe der Ukraine keine Genehmigung zur Nutzung ihres Luftraums erteilt, auch nicht für Drohnen.

In Litauen wurde wegen einer Drohne Luftalarm ausgelöst und der Flugverkehr am Flughafen der litauischen Hauptstadt wurde vorübergehend eingestellt.

21 Mai

Die litauische Ministerpräsidentin rief die Politiker des Landes dazu auf, von unbegründeten Vorwürfen gegen Russland abzusehen. Sie reagierte damit auf die Aussage von Außenminister Budrys auf X, Russland versuche, Drohnen in den litauischen Luftraum umzuleiten. Es gebe „keinerlei Beweise dafür, dass die überfliegenden Drohnen nach Litauen umgeleitet werden“. Man müsse „Ruhe bewahren, Anweisungen befolgen und sich jeglicher harscher Äußerungen enthalten“, sagte sie während einer Parlamentssitzung.

Der litauische Außenminister hatte einige Tage zuvor in einem Interview erklärt, man müsse „den Russen zeigen, dass wir ihre kleine Festung, die sie in Kaliningrad errichtet haben, durchdringen können“. Die NATO habe „die Mittel, die russischen Luftverteidigungs- und Raketenbasen dort im Ernstfall dem Erdboden gleichzumachen“.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk warnte auf einer Pressekonferenz, die Drohnenvorfälle im Luftraum der baltischen Staaten könnten zu einer Eskalation in Europa führen. Er sagte, er habe „schon vor vielen Monaten davor gewarnt, dass es nicht nur im ukrainisch-russischen Krieg, sondern auch an der gesamten Ostflanke zu einer Eskalation kommen könnte“.

Die Kriegsgefahr

Ich warne bekanntlich seit spätestens Ende März, dass diese Drohnenangriffe unter Nutzung des Luftraums von NATO- und EU-Staaten Russland irgendwann dazu zwingen können, darauf militärisch zu reagieren, wenn die angerichteten Schäden ein Ausmaß erreichen, das für die russische Regierung inakzeptabel wird.

Hinzu kommt, dass die ukrainischen Drohnen inzwischen in EU-Staaten produziert werden, womit die EU die Produktionsstandorte aus der Ukraine, wo sie von Russland angegriffen werden können, in die sichere EU verlegt hat. Auch das ist eine eindeutige Kriegsbeteiligung der entsprechenden Staaten und das erklärt auch, warum die Zahl der ukrainischen Drohnenangriffe in den letzten Wochen so stark ansteigen konnte.

Im Baltikum und in Finnland wird die Bevölkerung aufgrund der Drohnenvorfälle und der Gefahr, dass Russland irgendwann militärisch antworten könnte, immer nervöser. Ob das die Erklärung dafür ist, dass die baltischen Staaten die Drohnenüberflüge nun demonstrativ kritisieren und auch mal vereinzelte Drohnen abschießen?

Tatsache ist jedoch, dass sie diese Drohnenüberflüge jederzeit beenden könnten, wenn sie Kiew androhen würden, die Unterstützung für die Ukraine einzustellen, solange die Ukraine die Lufträume von EU- und NATO-Staaten für Angriffe auf Russland nutzt. Das tun sie allerdings nicht, weshalb man deren Kritik bestenfalls als Ablenkungsmanöver verstehen muss.

Dass man nicht vor hat, diese Drohnenüberflüge zu beenden, zeigte eine Aussage des litauischen Verteidigungsministers vom 27. Mai, als er in einem Interview sagte, er gehe davon aus, dass die Drohnenvorfälle zunehmen werden und dass die baltischen Staaten sich daran anpassen müssten. Er bezeichnete das als die „neue Realität für die baltischen Staaten“.

Hinzu kommt, dass die Erklärung des russischen Geheimdienstes, Kiew plane, Drohnen gegen Russland auch direkt aus den baltischen Staaten starten zu lassen, nicht aus der Luft gegriffen ist. In russischen Expertenkreisen ist es schon lange ein offenes Geheimnis, dass mindestens ein Teil der Drohnen dort gestartet werden.

Ein Experte hat mir das anhand der technischen Daten der ukrainischen Drohnen vorgerechnet. Die AN-196 hat angeblich eine Reichweite von 2.000 Kilometern, aber die erreicht sie nur, wenn sie einen sehr kleinen Sprengkopf trägt. Je schwerer der Sprengkopf, desto höher ist der Treibstoffverbrauch der Drohne, und damit sinkt ihre Reichweite auf unter 1.000 Kilometer, zumindest bei den größeren Sprengsätzen, die die Drohnen tragen, die im Gebiet Petersburg einschlagen. Zumindest ein Teil dieser Drohnen kann also nicht aus der Ukraine kommen, sondern wird offensichtlich im Baltikum gestartet.

Allerdings wurde darüber in Russland bisher nicht öffentlich gesprochen, genauso, wie Russland seit mindestens 2024 öffentlich darüber geschwiegen hat, dass ukrainische Drohnen den Luftraum der NATO für Angriffe auf Russland nutzen. Russland versucht immer noch, eine Eskalation zu vermeiden.

Aber nun hat auch der Kremlsprecher bereits erklärt, dass Drohnen im Baltikum gestartet werden. Die baltischen Länder sind also, ich wiederhole mich, schon lange offen Kriegspartei gegen Russland – und eine militärische Antwort Russlands ist nicht ausgeschlossen.

Daher auch die Bemühungen von NATO und EU, in ihren Erklärungen Russland die Schuld an den Drohnenüberflügen zu geben und die Ukraine in ihren Erklärungen möglichst nicht zu erwähnen. Auch die oben erwähnte Erklärung, Russland lenke ukrainische Drohnen in den Luftraum der Baltenstaaten um, ist nichts weiter als der Versuch, von der Tatsache abzulenken, dass die Ukraine den Luftraum dieser Länder mit deren stiller Erlaubnis für Angriffe auf Russland nutzt.

Am 26. Mai hat EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen wieder in dieses Horn gestoßen und die Verletzung des baltischen Luftraums durch ukrainische Drohnen als „gezielte russische Strategie“ bezeichnet. Auf die Idee muss man erst einmal kommen, aber von der Leyen ist kreativ, wie sie auf einer Pressekonferenz in Vilnius zeigte, als sie sagte:

„Dies sind keine isolierten Einzelfälle, das ist die gezielte Strategie Russlands, das unsere Demokratien destabilisieren will.“

Außerdem forderte sie, die Ukraine schnell in das System der europäischen Rüstungsindustrie einzubinden, um „Russland bei militärischen Innovationen zu überholen“. Und sie dankte der Bevölkerung der betroffenen Länder für ihre Ruhe und Besonnenheit und versprach, dass die EU und die baltischen Staaten Russland „gemeinsam besiegen“ könnten.

Alleine der letzte Satz zeigt, dass man sich in der EU längst als Kriegspartei sieht, auch wenn man das den Menschen in Europa weiterhin verschweigt.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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