Was bedeutet der OPEC-Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate?

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Am 3. Mai sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus der OPEC und der OPEC+ ausgetreten. Der Energieminister der ...

anti-spiegel.ru📅 19.05.2026
Ölmärkte und Geopolitik

Was bedeutet der OPEC-Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate?

Am 3. Mai sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus OPEC und OPEC+ ausgetreten. Was bedeutet dieser Schritt und welche Folgen kann er haben?

Am 3. Mai sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus der OPEC und der OPEC+ ausgetreten. Der Energieminister der VAE Suhail al-Mazrouei erklärte, dass Abu Dhabi die Ölproduktion im Rahmen der OPEC-Vereinbarungen nicht länger begrenzen werde, da dies „den Verpflichtungen gegenüber ausländischen Partnern widerspreche, die in die Wirtschaft der VAE investieren“.

Schon hier kann man sich fragen, wer diese “ausländischen Partner” wohl sein können. Und die Antwort ist klar, denn das sind die USA, die den VAE gerade erst mit Dollarswaps unter die Arme gegriffen haben, weil die Emirate offenbar ein Liquiditätsproblem hatten.

Aber die Lage ist weitaus komplizierter, denn es geht auch um Konkurrenz und Streit zwischen den arabischen Ländern, von denen nicht mehr alle dem Kurs der USA folgen wollen.

Schauen wir uns das Thema also mal der Reihe nach an.

OPEC und OPEC+

Die OPEC wurde 1960 gegründet. Ihr gehören 12 Staaten an: Algerien, Angola, Indonesien, Irak, Iran, Libyen, Katar, Kuwait, die VAE, Nigeria, Saudi-Arabien und Ecuador sowie als einziges nicht muslimisches Land Venezuela. Auf diese Staaten entfallen bis zu 80 Prozent der weltweit nachgewiesenen Erdölreserven. Die Mitgliedsstaaten der Organisation kontrollieren bis zu 11 Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten und besitzen etwa 6 Prozent der globalen Tankerflotte. Es ist daher leicht nachzuvollziehen, welche Bedeutung diese Organisation für die Weltwirtschaft hat.

In der OPEC+ haben sich Russland, Aserbaidschan, Bahrain, Brunei, Brasilien, Kasachstan, Malaysia, Mexiko, Oman, Südsudan und Sudan mit der OPEC zusammengeschlossen, um die Ölproduktion und damit die weltweiten Ölpreise zu beeinflussen.

Die wichtigsten Aufgaben der OPEC bestehen in der Koordinierung der Politik im Bereich des Erdölexports, der Festlegung der besten Wege zum Schutz der individuellen und gemeinsamen Interessen der Mitgliedsländer, der Suche nach Möglichkeiten und Mitteln zur Stabilisierung der Ölpreise auf dem Weltmarkt, der Sicherstellung einer effizienten und regelmäßigen Versorgung der Verbraucherländer sowie der Gewährleistung ausreichender Einnahmen aus Investitionen in die Erdölindustrie. Die zentrale Stellschraube für all das ist die Kontrolle der Fördermengen der Mitgliedsstaaten, denn davon hängen die weltweiten Ölpreise direkt ab.

Die OPEC versucht, den Ölpreis in einer Balance von nicht zu hoch und nicht zu niedrig zu halten. Ein zu hoher Ölpreis würde die Weltwirtschaft abwürgen, was letztlich auch den OPEC-Ländern schaden würde. Ein zu niedriger Ölpreis würde die Erschließung neuer Ölquellen unrentabel machen, was langfristig zu einem Ölmangel und steigenden Ölpreisen führen würde und daher ebenfalls schlecht für die Weltwirtschaft wäre. OPEC und OPEC+ versuchen daher, den Ölpreis in einem Korridor zu halten, bei dem die Preise hoch genug sind, um weitere Investitionen in die Ölförderung lohnenswert zu halten, aber nicht so hoch sind, dass das der Wirtschaft schaden würde.

Die Nicht-OPEC-Länder halten sich nicht an die von der OPEC beschlossenen Förderquoten und fördern mehr Öl, was den Ölpreis unter Druck setzt und worauf die OPEC dann meist mit einer Drosselung ihrer Förderung reagiert, um den Ölpreis stabil zu halten. Das führt dazu, dass die Nicht-OPEC-Länder ihre Marktanteile zum Nachteil der OPEC ausbauen. Vor allem die USA sind auf diese der größte Ölproduzent der Welt geworden.

In der OPEC ist man über diese Verluste von Marktanteilen natürlich nicht glücklich, was immer wieder zu schwierigen Diskussionen und Verhandlungen führt.

Der Austritt der VAE aus der OPEC ist daher ein schwerer Schlag für die Organisation, denn es ist zu erwarten, dass die VAE nun im Interesse der USA handeln, ihre Ölförderung erhöhen und damit die OPEC weiter unter Druck setzen.

Der Streit der Araber

Obwohl Saudi-Arabien mit einer Produktion von rund 13 bis 14 Millionen Barrel Öl pro Tag der größte Produzent innerhalb der OPEC ist und bleibt, galten die Abu Dhabi Emirate als ein äußerst wichtiger Akteur innerhalb des Bündnisses.

Das ist nicht das erste Mal, dass ein bedeutendes Mitglied die Organisation verlässt. Bereits 2019 trat Katar aus und 2024 folgte Angola. Damals lagen die Gründe in Differenzen mit Saudi-Arabien, und auch dieses Mal ist es nicht anders. Der Austritt der VAE aus der OPEC könnte die Spannungen auf der Arabischen Halbinsel weiter verschärfen.

Die Hauptursache sind wachsende wirtschaftliche Differenzen mit Saudi-Arabien. Abu Dhabi strebt an, seine Ölexporte in Zukunft deutlich auszuweiten und betrachtet die von Riad im Rahmen der OPEC vorangetriebenen Förderquoten als zu restriktiv.

Der Konflikt zwischen den beiden Golfstaaten beschränkt sich jedoch längst nicht mehr nur auf den Ölmarkt. Noch vor etwa zehn Jahren galten die VAE und Saudi-Arabien als nahezu uneingeschränkte Verbündete, doch in den vergangenen Jahren haben sich ihre außenpolitischen Positionen zunehmend auseinanderentwickelt.

In den ersten Tagen des iranischen Krieges führte die gemeinsame Verteidigung gegen iranische Drohnen- und Raketenangriffe vorübergehend zu einer gewissen Entspannung. Hinzu kommt, dass es innerhalb der VAE Kräfte gibt, die sich gegen eine zu enge Zusammenarbeit mit Israel aussprechen.

Derzeit scheinen in Abu Dhabi aber jene Kräfte an Einfluss zu gewinnen, die einen härteren außenpolitischen Kurs befürworten und eine noch engere Zusammenarbeit mit Israel und den USA unterstützen.

In Riad hingegen setzt sich zunehmend eine vorsichtigere Linie durch, die darauf abzielt, ein Gleichgewicht in den Beziehungen zum Iran aufrechtzuerhalten, um die regionale Stabilität zu sichern. Vor diesem Hintergrund erscheint die Entscheidung der VAE, die OPEC zu verlassen, nicht mehr nur als wirtschaftlicher, sondern auch als politischer Schritt.

Die Rollen anderer Länder

Zum besseren Verständnis der wechselseitigen Beziehungen zwischen den Ländern der Region gehen wir die Länder kurz im Telegramstil durch.

Israel: Im Jahr 2020 haben die VAE und Israel ein Abkommen über die Normalisierung der Beziehungen unterzeichnet, aber Israel ist ein Staat, zu dem Saudi-Arabien aufgrund des anhaltenden Palästina-Konflikts bis heute keine offiziellen Beziehungen aufgenommen hat. Die USA haben zwar versucht, Israel und Saudi-Arabien zu versöhnen, aber der Gazakrieg hat diesen Weg erst einmal beendet. Aber die Emirate wurden mit der Unterzeichnung nach Ägypten und Jordanien der dritte arabische Staat, der formell diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen hat.

Sudan: 2023 brach der Sudan die diplomatischen Beziehungen zu den VAE ab. Der Grund dafür war die Unterstützung der Emirate für die paramilitärischen „Rapid Support Forces“ im Sudan, während Riad seinerseits mit den regulären Streitkräften des Landes zusammenarbeitet.

Somalia: Die VAE und Israel arbeiten auch in Afrika zusammen, insbesondere mit Somaliland, einem teilweise anerkannten Staat, der sich von Somalia abspalten möchte. Saudi-Arabien hingegen setzt auf die Wahrung der territorialen Integrität Somalias. Als Abu Dhabi Ende 2025 sogar eine größere Offensive der Separatisten unterstützte, die den Interessen Saudi-Arabiens widersprach, reagierte Riad umgehend und ließ ein Schiff mit militärischem Gerät aus den Emiraten zerstören, das für die Separatisten bestimmt war.

Jemen: Die Streitkräfte der VAE nahmen 2015 im Rahmen der arabischen Koalition unter Führung Saudi-Arabiens an der Militärintervention im Jemen mit dem Ziel teil, die von den Huthi-Rebellen gestürzte Regierung wieder einzusetzen. Aufgrund zunehmender Differenzen mit Riad zog Abu Dhabi jedoch 2019 den Großteil seiner Streitkräfte aus dem Jemen ab und behielt seinen Einfluss nur noch im Süden des Landes.

Das Timing

Die VAE haben den Zeitpunkt für ihren Austritt aus der OPEC nicht zufällig gewählt. Aufgrund von Störungen der Schifffahrt in der Straße von Hormus sind zwischen 10 und 12 Millionen Barrel an Ölexporten pro Tag vom Markt weggefallen. Hätten die Emirate die Entscheidung in einer Phase eines Überangebots getroffen, hätte die Reaktion des Marktes deutlich schärfer ausfallen können. Jetzt jedoch ist der Markt auf zusätzliche Mengen angewiesen.

Die Lage hätte sich wesentlich verschärft, wenn gleichzeitig die Förderung gestiegen und ein Überangebot entstanden wäre. Tatsächlich haben die VAE damit ein seltenes Zeitfenster genutzt. Das Land kann das Quotensystem genau in dem Moment verlassen, in dem eine Produktionsausweitung nicht zwangsläufig zu einem starken Preisverfall führt.

Der Austritt der VAE aus der OPEC könnte entweder den Zerfall der OPEC+ auslösen oder, was derzeit wahrscheinlicher erscheint, einen neuen Preiskrieg. Im Kampf um Marktanteile würden die größten Exportländer beginnen, ihre Produktion zu erhöhen und damit die Ölpreise zu senken.

Die Folgen für die Ölpreise

Es gibt jedoch auch eine andere Sichtweise. Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt und der Markt mit einem Öldefizit konfrontiert ist, bestehen durch eine Produktionsausweitung der VAE nur begrenzte Risiken. Diese Position vertritt auch in Russland. Der stellvertretende Premierminister Alexander Nowak erklärte kürzlich sinngemäß: „Welche Art von Preiskrieg kann es geben, wenn der Markt ein Defizit hat?“

Für die OPEC+ bleibt das dennoch ein Warnsignal. Die Stärke des Bündnisses beruhte stets auf der Fähigkeit der größten Produzenten, die Förderung zu koordinieren und das Angebot zu begrenzen, um die Preise zu stabilisieren. Der Austritt der VAE zeigt, dass innerhalb des Abkommens zunehmend ein harter Wettbewerb um Marktanteile entsteht. Wichtig ist zudem, dass es sich hierbei nicht um einen Nebenakteur handelt. Als Angola aus der OPEC austrat, hat der Markt das fast nicht bemerkt, da das Land kein nennenswertes Potenzial für eine schnelle Ausweitung der Produktion hatte.

Nach der Ankündigung Abu Dhabis, die OPEC zum 1. Mai zu verlassen, gab der Ölpreis leicht nach. Zuvor waren die Notierungen aufgrund wegen des Irankriegs und der Blockade der Straße von Hormus gestiegen, doch nun begannen Händler, einen möglichen zukünftigen Anstieg des Angebots durch die Emirate sowie das Risiko eines „Förderwettlaufs“ zwischen den Exporteuren einzupreisen. Dabei sind die VAE derzeit rein physisch nicht in der Lage, ihre Exporte kurzfristig stark zu erhöhen.

Solange die Straße von Hormus auch nur teilweise blockiert ist, gibt es schlicht keine alternativen Transportrouten für Lieferungen. Daher wird in den kommenden Monaten nicht der Austritt der VAE aus der OPEC der wichtigste Faktor für den Ölmarkt sein, sondern die Entwicklung rund um die Straße von Hormus.

Die VAE fördern derzeit etwa 3 bis 3,5 Millionen Barrel Öl pro Tag und stellen damit rund 6 Prozent der OPEC-Produktion. Gleichzeitig plant das Land, seine Förderkapazitäten bis 2027 auf 5 Millionen Barrel auszubauen. Der Verlust eines solchen Mitglieds schwächt den Einfluss der OPEC und OPEC+ auf den Markt und reduziert nach dem Ende der Krise die Möglichkeiten, das Gleichgewicht über das Quotensystem zu steuern.

Entscheidend ist dabei vor allem der Präzedenzfall. Wenn ein großer Akteur im Persischen Golf auf eine unabhängige Ausweitung der Förderung setzt, könnten auch andere Produzenten ähnliche Strategien übernehmen, die mit den strengen Förderbeschränkungen unzufrieden sind. Derzeit diskutiert OPEC+ eine neue Anpassung der Quoten. Für den Markt wird das zu einem Test, ob das Bündnis nach dem Austritt der VAE weiterhin handlungsfähig bleibt.

Sehr wahrscheinlich werden zusätzliche Mengen nur schrittweise und in kleinen Etappen auf den Markt zurückgeführt, um weder einen Preissturz noch einen erneuten starken Preisanstieg zu riskieren.

Hinzu kommt, dass die Wiederauffüllung der Ölreserven vieler Länder und die Schäden an Ölförderung und Ölverladung in den Golfstaaten die Ölpreise auch nach einer Öffnung der Straße von Hormus noch einige Zeit lang hoch halten werden.

Für die langfristige Entwicklung gilt: Nach einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus wird vor allem das Zusammenspiel aus neuen OPEC+-Mengen, einem künftigen Produktionsanstieg der VAE außerhalb des Kartells sowie höheren Lieferungen anderer unabhängiger Produzenten dazu führen, dass die aktuelle geopolitische Risikoprämie im Ölpreis allmählich abgebaut wird.

Der Austritt der Emirate könnte nach der Normalisierung der Logistik somit eine regelrechte „Angebotsrallye“ auslösen. Entscheidend wird dann sein, wie koordiniert Russland, Saudi-Arabien und ihre Partner in OPEC und OPEC+ handeln, und ob der Preisrückgang kontrolliert verläuft oder der Markt erneut einen drastischen Preiseinbruch erlebt. Außerdem wird sich die generelle Frage stellen, wie OPEC und OPEC+ auf den zu erwartenden Rückgang ihrer Marktanteile reagieren, sollten die Nicht-OPEC-Länder ihre Produktion weiter hochfahren.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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