Auch das PEI hatte seinen „Externen Krisenstab“ nach einem Pandemieplan vom 26.02.2020. Dieser Krisenstab wurde vom Klaus Cichutek, dem Präsidenten des PEI, geleitet und beschäftigte sich vor allem mit der Bereitstellung der Impfstoffe. Zwischen dem 12.05.2020 und dem 10.06.2022 gab es 15 Sitzungen und Sondersitzungen, zwei Sitzungen aus aktuellem Anlass und eine Anhörung externer Fachleute.
Am 3. Juli 2025 veröffentlichte NIUS sechs teils geschwärzte Protokolle. Sie stammen aus der Zeit vom 19.08.2020 bis 18.02.2022 und kamen über eine IFG Anfrage mit anwaltlicher Hilfe heraus.
Diese Fragmente habe ich bereits analysiert:
Parallel erklärte das PEI auf eine andere IFG Anfrage, dass eine andere Stelle als der Krisenstab, nämlich die Abteilung für Arzneimittelsicherheit, von 2019 bis Mai 2023 keine Protokolle angelegt habe.
Am 12.10.2026 übermittelte das PEI die angeblich nicht existierenden Krisenstabsunterlagen von 2020 bis 2022 an die Enquete Kommission des Bundestages. Am selben Tag stellte es sie auf seine Internetseite.
https://www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/coronavirus-inhalt.html?nn=169730&pos=8
Nach eigener Angabe sind die Unterlagen bis auf gesetzlich gebotene Schwärzungen unverändert. Einzelne Äußerungen seien „nicht zwangsläufig als offizielle Position“ des PEI zu verstehen. Strittige Stellen ordnet das Institut in einer eigenen FAQ ein. Ob die Sammlung wirklich alle Dokumente enthält, lässt sich von außen nicht prüfen.
Die Analyse der Dokumente fand mit Hilfe der KI Perplexity statt. Nach den vielen IFGs und DOI Dokumenten, welche ich bereits mit Hilfe dieser KI bearbeitet habe, arbeitet Perplexity bei mir natürlich bereits basierend auf einer ganz anderen Datenbasis an offiziellen Dokumenten, als wenn man diese Daten für sich alleine analysieren würde.
Politik und Fachbehörde in den Krisenstabsakten des Paul Ehrlich Instituts
Das Wichtigste in Kürze
Das Paul Ehrlich Institut (PEI) hat 244 Seiten aus seinem Externen Krisenstab veröffentlicht. Es sind Protokolle, Tagesordnungen, Folien und E Mails aus der Zeit von Mai 2020 bis Juni 2022. Die ersten 4 Seiten des Pdf sind eigene Erläuterungen zu den Protokollen. Diese Akte schließt eine Informationslücke.
Die EU Akten zeigen, was in Brüssel verhandelt wurde.
Die BMG BioNTech Akten zeigen den Draht zwischen Ministerium und Hersteller.
Die BfArM Akten zeigen, wie das Ministerium eine andere Bundesoberbehörde unter Zeitdruck setzte.
Die PEI Akte zeigt nun erstmals von innen, wie die für Impfstoffe zuständige Fachbehörde selbst auf diesen Druck reagierte.
Die wichtigsten Ergebnisse:
Politische Erwartungen an das PEI sind schriftlich belegt, aber unterschiedlich stark.
Im Mai 2020 hält das Protokoll einen „wachsenden Druck“ auf einen Einsatz auch ohne Zulassung fest. Das BMG diskutierte dazu Gesetzesvorhaben, Minister Spahn stand mit Herstellern in direktem Kontakt. Ein persönlicher Auftrag Spahns an das PEI ist auf dieser Seite nicht belegt.
PEI Akte, Datei PEI-Unterlagen-Externer-Krisenstab-mit-Erlauterungen.pdf. PDF S. 5, Protokoll 12.05.2020: „Wachsender Druck zur zeitnahen Bereitstellung eines Impfstoffs gegen COVID-19 – im Notfall auch ohne Zulassung“, „Auch das BMG diskutiert bereits Gesetzesvorhaben, über die ein Impfstoff ggf. noch vor der offiziellen Zulassung eingesetzt werden könnte. Gesundheitsminister Spahn steht dazu mit einigen Impfstoff-Entwicklern in direktem Kontakt.“
Im November 2020 wandte sich Staatssekretär Steffen wegen der GMP Zertifikate an das PEI, und „seitens der Politik“ bestand der Wunsch nach Inspektionsergebnissen bis zum 10.12.2020.
PDF S. 131, Protokoll 23.11.2020: „Am vorangegangenen Wochenende erreichte das PEI eine Anfrage des ST Steffen des BMG.“, „Daher besteht seitens der Politik der Wunsch, dass die Ergebnisse der Inspektionen der US Herstellungsstätten spätestens am 10.12.2020 vorliegen sollten.“, „Aus Sicht der Politik wäre es wünschenswert, wenn auch in Europa zu diesem Zeitpunkt eine Zulassung erfolgen und zügig mit der Impfung begonnen werden könnte.“
Im November 2021 trug das BMG die Frage nach einer Auffrischung schon nach fünf Monaten an das PEI heran.


PDF S. 144, Tagesordnung 04.01.2021, Punkt 5: „Änderung des Impfschemas durch Zweitimpfung 3-6 Monate nach Erstimpfung“, PDF S. 145: „dies ist die Entscheidung der STIKO und politisch brisant“.
Für die Streckung der Zweitimpfung im Januar 2021 belegt die Akte nur einen Tagesordnungspunkt, keinen Auftrag des BMG.
PDF S. 170, Protokoll 15.11.2021: „prüfen, ob die vorliegenden Daten ausreichen, um ggf. eine Auffrischungsimpfung bereits nach 5 Monaten zu empfehlen. Diese Frage wurde seitens BMG an das PEI herangetragen.“
Im Juni 2022 wollte Minister Lauterbach nach dem Verständnis Cichuteks BioNTech und Moderna zu einem sofortigen Wechsel auf BA.5 Impfstoffe drängen.
PDF S. 236, Einladung zum 10.06.2022: „Diesem Argument folgend möchte er nach Herrn Cichuteks Verständnis Biontech und Moderna zu einem sofortigen Switch auf Wuhan/BA.5-RNAs drängen.“
Brisant wird diese Mail vor allem im Kontext des Fauci Tagebuchs:
30 Juni 2022 “Wichtiges Zoom-Meeting mit Karl Lauterbach (Bundesgesundheitsminister), Ugur Sahin (CEO, BioNTech) und Ashish Jha. Wir haben die Vor- und Nachteile der optimalen Auffrischungsimpfung für den Herbst erörtert. Carl und Ashish baten Ugur und mich, die wissenschaftlichen Gründe darzulegen, warum sich unsere FDA dafür ausgesprochen hat, für den Herbst eine bivalente Auffrischungsimpfung gegen BA.4/5 (zusammen mit dem Wildtyp) zu empfehlen. Auch wenn es vielleicht etwas länger dauern mag, bis genügend Dosen vorliegen, um bereits früh im Herbst mit der Impfung zu beginnen, könnte der Vorteil einer starken BA.4/5-Stimulation und -Reaktion die leichte Verzögerung wert sein. Wir waren uns außerdem einig, dass wir, falls es sehr früh im Herbst zu einem Anstieg der Infektionszahlen kommt, bevor wir über genügend BA.4/5-Impfstoff verfügen, tatsächlich mit dem ursprünglichen monovalenten Impfstoff boostern können, da dieser zwar keine optimale, aber dennoch eine angemessene Immunantwort gegen BA.4/5 hervorruft. Karl erwähnte, dass Deutschland zu einem bivalenten Omikron-Impfstoff tendiere, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Moderna dies vorantreibe, da das Unternehmen beschlossen habe, diesen Impfstoff zu produzieren, und die Nutzung dieser Dosen nicht verlieren wolle. Am Ende der Diskussion war klar, dass Ugur und ich Karl davon überzeugt hatten, dass der oben beschriebene Weg mit BA.4/5 die bessere Vorgehensweise sei. Es war eine sehr gute Diskussion, und ich war beeindruckt davon, dass Ugur ein brillanter Wissenschaftler ist und ein wirklich netter Mensch zu sein scheint.”
Die Fachebene des PEI hat in jedem dieser Fälle schriftlich gewarnt.
Die Warnungen sind deutlich: „extrem heikles Thema“, „wäre unseriös“, „keine (robusten) Daten“, „keine Sicherheits-und Immunogenitätsdaten für einen Impfabstand von weniger als 6 Monaten“.
PEI Akte, PDF S. 170, Ergebnisprotokoll 15.11.2021: „Diese Frage wurde seitens BMG an das PEI herangetragen. Post Meeting Notiz (aus E-Mail von 15.11.2021): ‚… gibt es demnach keine Sicherheits-und Immunogenitätsdaten für einen Impfabstand von weniger als 6 Monaten. Es kann aus diesen Studien keine Empfehlung für einen Boosterdosis nach weniger als 6 Monaten gegeben werden.‘“


Weitere Warnzitate: S. 5 („extrem heikles Thema“), S. 134 („wäre unseriös“), S. 145 („keine (robusten) Daten“).
Muster 1 (Warnungen ignoriert) bestätigt sich teilweise.
Beim Boosterabstand und beim Booster für Jugendliche wurden Empfehlungen ausgesprochen, für die nach der PEI Akte keine Studiendaten vorlagen. Bei der Zweitimpfung im Januar 2021 folgte die Politik dagegen am Ende der Warnung.
Muster 2 (Fachbehörden vor sich hergetrieben, Regulierung nachträglich passend gemacht) bestätigt sich deutlich.
Besonders klar ist das im November 2020. Der Termin kam aus der Politik, die PEI Leitung ordnete an, Prüfverfahren einsatzbereit zu machen und „Validierung und Zertifizierung“ nachzuziehen.
Man wusste also um nicht vollständige modRNA, machte sich Sorgen, was für Proteine entstehen könnte und hatte keine validierten Testmethoden. Ob diese Tests je validiert wurden? Darf ein ISO zertifiziertes Labor mit nicht validierten Methoden arbeiten?
“vernünftig” ist kein wissenschaftliches Maß.
PEI Akte, PDF S. 135, Protokoll 23.11.2020: „Eine Reinheit von [geschwärzt] intakter RNA und Unklarheit über die Menge an truncated RNA ist suboptimal. … Cichutek: Zum 10,12.20 müssen die Tests (vergleichbar mit denen der Firmen) einsetzbar sein. Eine Validierung und Zertifizierung kann nachgezogen werden. BioNTech könnte [geschwärzt] nach der Zulassung ausliefern, die Chargenprüfung muss parallel dazu laufen.“
Auch beim Booster für Jugendliche lag die Empfehlung vor der Zulassung, und die Zulassung folgte danach mit einer ausdrücklichen Ausnahmeformel, weil eine am Schreibtisch erzeugte Daten P(l)andemie herrschte.
PEI Akte, PDF S. 205, Protokoll 18.02.2022: „Es besteht bereits eine STIKO-Empfehlung zur Booster-Dosis bei Jugendlichen (Abstand 3 Monate).“ und „Diese Vorgehensweise entspringt der Pandemielage, kann nicht auf spätere Entscheidungen zur Zulassung anderer nichtpandemischer Impfstoffe bezogen werden.“ Zulassung: EMA, 24.02.2022.
Ein wichtiger Gegenbefund
Die Aussetzung der AstraZeneca Impfungen im März 2021 war durch eine eigene statistische Auswertung des PEI gedeckt. Die Zahl der Sinusvenenthrombosen lag signifikant über dem Erwartungswert. Die bisherige Darstellung, die Aussetzung sei nach Fachmeinung nicht geboten gewesen, ist deshalb zu korrigieren.
Man beachte, dass es hier um eine “observed versus expected Analyse” geht, das PEI aufgrund seiner SOP aber eine Disproportionalistätsanalyse hätte machen müssen. Wenn also bereits bei “observed versus expected” ein Signal zu sehen ist, ist das Problem schwerwiegend.
PEI Akte, PDF S. 163, Folien 15.03.2021: „1.471.238 Impfungen (Stichtag Freitag 12.3.2021) … Erwartete Anzahl von Sinusthrombosen n=1 (SMR 8,06 (95 % CI 2,96-17,52) … Annahme 2: 80 % der Impfdosen bei Frauen 50 Jahre und jünger … n= 1,3 (SMR 4,78 (95 % CI 1,76-10,41)“.
Das PEI war nicht nur Getriebener.
Der damalige Präsident Cichutek formulierte im Mai 2020 selbst: „Das PEI muss daher über die EMA hinausdenken.“ Herr Cichutek war anscheinend der Meinung, es besser zu wissen als die hochbezahlten Experten der EMA.

PEI Akte, PDF S. 7, Protokoll 12.05.2020: „Die EMA ist in der Situation wahrscheinlich zu unbeweglich und kann nicht flexibel genug auf den Pandemiedruck reagieren. Das PEI muss daher über die EMA hinausdenken.“
In derselben Sitzung hielt das Protokoll als Vorteil einer Direktbeschaffung durch den Bund fest, dass dann „die Verantwortung für ein wenig geprüftes Arzneimittel beim BMG und nicht beim PEI läge“.
PEI Akte, PDF S. 6, Protokoll 12.05.2020: „Dies hätte auch den Vorteil, dass die Verantwortung für ein wenig geprüftes Arzneimittel beim BMG und nicht beim PEI läge.“
Unterstützungsmöglichkeiten:
Bücherwunschzettel: https://www.amazon.de/registries/gl/owner-view/30LG3DJ4ET90L?ref_=list_d_gl_lfu_nav
Andere Unterstützungsmöglichkeiten für Holgers und meine Forschung:
Konto für Unterstützung für das Projekt Scan 2000
Dr. Merse DE34 4305 0001 0302 7851 75 Sparkasse Bochum
Horst Reissner: IBAN DE51 4401 0046 0406 4514 67
Dr. S. Stebel: https://ko-fi.com/einmalmitprofisarbeiten
Paypal: [email protected]
PEI Akte, PDF S. 145 (04.01.2021), S. 170 (15.11.2021), S. 205 (18.02.2022).
STIKO Beschluss vom 08.01.2021, Epidemiologisches Bulletin 2/2021: „Die Gabe der 2. Impfstoffdosis soll innerhalb des durch die Zulassungsstudien abgedeckten Zeitraumes (derzeit 42 Tage) erfolgen.“
Deutsches Ärzteblatt, 07.01.2021: Spahn: „Da es ja aber eine gemischt politisch-wissenschaftliche Debatte dazu gibt …“ und „dass wir bei der Zulassung und dem, was in der Zulassung steht, bleiben sollten“.









